Archetyp des Schattens: traust du dich, dir in deine eigene Seele zu blicken?

Kategorien Blog, Psychologie als Erfahrung

Ich hatte neulich das dringende Bedürfnis einer bestimmten Person, die ich noch nicht mal kenne eine ordentlich reinzudrücken. Hört sich Böse und armselig an, ich weiß, aber so bin ich doch eigentlich nicht, würde man jetzt weiter sagen. Diesen Satz und das Gefühl, welches mich dazu verleitet hatte, gehören beide zum gleichen Konzept.
Da mir das Konzept des Schattens in der Psychologie bewusst war, wurde mir schnell klar, dass ich mir eigentlich selbst ordentlich eine reindrücken wollte. Gelacht habe ich danach erstmal laut. Der arme repräsentiert etwas, dass ich in mir selbst nicht wahrhaben will und unterdrücke und es deshalb nach außen auf die Umwelt, auf ihn projiziere, um dem dort wieder zu begegnen.

Um der Einführung zum Thema noch mehr gerechter zu werden, will ich dir sagen, dass wenn Leute ihre Schatten kennen würden und dem mit Verantwortung begegnen würden, es definitiv weniger Probleme persönlicher Natur und auf der Welt geben würde. Wir könnten sogar so tief in das Thema hinabtauchen und sagen, das ganze Nationen Kriege miteinander anfangen und anfingen wegen des Schattens.

Die Persona

Schatten hat als Quelle Licht. Bevor ich mit dem eigentlichen Teil anfange, möchte ich euch den Gegenspieler zum Schatten vorstellen: unsere Persona.

Einfach ausgedrückt ist die Persona, die Vorstellung über uns selbst, wie uns andere Menschen sehen wollen und unser persönliches Ich-Ideal, wie wir uns der Umwelt präsentieren wollen, um letztendlich Akzeptanz und Ansehnlichkeit zu generieren.

Um deine Persona bewusster zu machen, könntest du dich folgendes fragen:
Wie viel zeige ich von meinen Gefühlen? Inwieweit kontrolliert ich in Umgebungen meine Emotionen? Welche Seiten von meiner Person zeige ich und welche nicht?
Materialistische Sachen, wie deine Kleidung, Look, sowie Autos usw. gehören auch zur Persona und sollen dich auf eine Art und Weise der Gesellschaft präsentieren.

Jetzt könnten einige sagen, wir seien gar nicht authentisch und würden eine Rolle spielen. Das kommt darauf an, wie du dich in deinem Schauspiel fühlst. Spielst du eine Rolle um anderen zu Gefallen und verrätst dich selbst, überkommen dich irgendwann Gefühle, die dich darauf hinweisen möchten, dass du unecht bist – tu was dagegen. Andererseits gibt es auch Menschen, die mit ihrer Persona und ihrer eigentlichen Identität im Einklang leben.

Jetzt kommen wir zur Kehrseite. Da die Persona auch bestimmte Züge deiner Selbst verhüllen soll, zeigt sich auch andererseits das zu Verhüllende und hier kommen wir zum Begriff des Schattens.

Der Schatten

Alles was unserer Ansehnlichkeit und dem „schönen Bild“ des Ich-Ideals schaden könnte, verdrängen wir und wird Schatten genannt, wenn wir uns nicht der Mechanismen unserer Psyche bewusst werden. Wenn wir z. B. merken, dass wir in bestimmten Situationen neidisch sind, und dieses momentane Bild unserer Persönlichkeit nicht unserem Ich-Ideal entspricht – Tada! Wir haben einen zu verdrängenden Kandidaten gefunden und gehört von nun an zu unserem Schatten, den wir nicht erblicken möchten. Die Quintessenz ist es reifer zu werden und eine Schattenakzeptanz und Toleranz gegenüber dem menschlichen Leben in all seinen Facetten zu entwickeln. Das heißt, nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen, sondern auch Leid und letztendlich Akzeptanz der Realität in ihren Bunten, sowie grauen Farben.

„Alles was uns an anderen missfällt, kann uns zu besserer Selbsterkenntnis führen“ – Carl Gustav Jung

Wir verdrängen also alles was unserem Ideal unseres Ich und der Umwelt nicht passt.
Um dir mal kurz ein Realitycheck zu verpassen, beschäftigen wir uns kurz mit deinem Schatten lieber Leser. Was gibt es grade an dir, dass du überhaupt nicht ausstehen kannst? Eigenschaften, die du als hassenswert empfindest.
Bei mir ist es momentan die Arroganz. Bei dir auch? Perfekt. In unser Ich-Ideal liegt unter anderem die Überzeugung von Bescheidenheit. Am liebsten würden wir in der Welt mit Bescheidenheit rum Stolzieren. Da uns die Realität aber etwas besseres lehrt und wir merke, dass in uns auch Impulse von Arroganz und Überheblichkeit entstehen und existieren, gerät unsere jetzige Realität in Konflikt mit unserem Ich-Ideal. Wenn wir uns darüber noch nicht bewusst sind, tun wir alles daran die Arroganz und Überheblichkeit zu verdrängen, am liebsten zu vergessen und muntern uns mit Sätzen auf, die davon zeugen, wie Bescheiden wir doch sind. Die Psyche hat die natürliche Neigung, auch mal verdrängtes zu projizieren, grade Schattenaspekte. Unsere Umwelt wird infolgedessen zum sogenannte Projektionsträger und somit zum Schattenträger. Das heißt, nicht mehr wir sind arrogant, sondern unsere nächsten. Die Umwelt kommt uns Arrogant vor. Da, das Problem jetzt in unserer sozialen Umwelt verkörpert wird, liegt es nicht mehr in unserer Hand. Damit kommt eine weitere Problematik ins Spiel, nämlich die des Autonomieverlustes. Weil nun das Problem nicht mehr bei uns, sondern in der Umwelt liegt und wir uns damit nicht mehr konstruktiv auseinandersetzen können, erleben wir uns als Opfer. Der Schattenträger wird zum Aggressor und somit zu einer Instanz, die auf unser Leben einwirkt und unsere Autonomie stört. Dadruch entsteht Angst und Aggression und wir fangen an bestimmte Menschen, ohne Grund zu hassen und wie in meinem Fall oben, das Bedürfnisse ihnen auch gleich eine reinzudrücken. Eigentlich sperren wir uns in ein selbstgefertigtes Gefängnis von Leid ein und können meistens noch nicht mal etwas dafür. Typisches Leiden nach Buddhas Worten. Wat ein Schinken man. Ich hoffe du merkst, wie wichtig es ist, sich dessen Bewusst zu werden.

Schattensensibilität

Wie kannst du dir deiner Schattenaspekte bewusst werden und was hättest du von diesem Prozess, wäre jetzt eine gute Frage. Es geht jetzt um Schattensensibilität, dass bedeutet eine Nase und ein Gespür zu entwickeln, wo etwas verschattet stinken könnte. Zeigen tut sich dein Schatten mannigfaltig. Zum einen haben wir ja schon durch die Bewertung Hassenswert Schattenaspekte herausgefiltert. Zum anderen kannst du in dich hineinhören und dich mal fragen, wie dein Ich-Ideal momentan aussieht. Falls du Eigenschaften entdeckst, wie dein perfektes Selbstbild wäre, kannst du anhand der komplementären Seite zum Ich-Ideal mögliche Schattenaspekte entdecken. Andererseits kannst du auch in unseren obigen Beispiel, deine Umwelt als Werkzeug für Bewusstmachung nutzen. Sticht deine Umwelt für dich in bestimmten Eigenschaften hervor, kannst du dich Fragen, ob eine Schattenprojektion dahinter steckt. Damit entlastest du dich nicht nur selbst, sondern auch deine Umwelt. Außerdem ist das Ertappen in unseren persönlichen Schattenhaftenverhalten, immer äußerst Peinlich. Wir fühlen uns Ertappt, beschämt und ärgern uns. Ein weiterer Hinweis. Ein nächstes faszinierendes Werkzeug, ist deine Traumwelt. Dein Unterbewusstsein ist in ständiger Kommunikation mit deinem Bewusstsein. Dabei spricht es verschiedene Sprachen, wie z. B. die, der Träume. Hattest du schonmal Träume in denen fremde Gestalten vorkamen, vor denen du große Angst hattest und sie am liebsten nicht gesehen hättest? Bestimmt. Wenn du im Traum mit Personen und Gestalten zu tun hast, die besonders Gefühle in dir Triggern die unangenehm und lästig sind und die du am besten schnell vergessen möchtest, ist es gut möglich das dir dein Unterbewusstsein anhand deiner Träume dir deine Schattenaspekte, die du noch nicht sehen möchtest, vor die Nase hält. Du kannst diesen z. B. folgend begegnen: Zuerst stellst du dir diese Person als Real vor. Sie lebt. Zähle auf, was du an dieser Person so abstoßend findest und geh danach einen Schritt weiter. Fühl in dich hinein, ob diese Realität der Eigenschaften, auch Existenzberechtigung in dir haben darf, wenn nicht gilt es eine Schattenakzeptanz zu entwickeln und das ist eigentlich der Kern dieses Artikels.

Was bringt dir Schattenakzeptanz?

Schattenakzeptanz holt dich nicht nur raus aus unbewussten Leiden und eigener Einschränkung, sondern führt auch zu mehr Authentizität und Lebendigkeit, du wirst stabiler in deinem Selbstbild, weil dich nicht mehr Angst und Aggression von außen verfolgt. Deine Beziehungen zur Umwelt sind offener und lebendiger. Du wirst Identisch mit deinem wahren Selbst. Deine Persönlichkeit geht den Weg zur Ganzheit. Im Schatten ist immer ein Impuls zur Weiterentwicklung und Vollkommnung deiner Persönlichkeit. Der Schatten ist immer ein Teil, der dir ein neues Stück Persönlichkeit zeigen kann. Du wirst so, wie du sein sollst. Dafür benötigt es aber auch die Opferung des Selbstbildes deines Ich-Ideals und das kann schmerzhaft sein, das aber zur Echtheit und Lebendigkeit der Persönlichkeit führt. Schattenakzeptanz ist nichts anderes, als die Aufgabe der Idealvorstellung vom menschlichen Leben und eines perfekten Menschen. Seinen Schatten zu akzeptieren bedeutet ihn emotional, in all seinen Konsequenzen, gut wie schlecht, für dich persönlich, sowie der Umwelt als Lebensmöglichkeit zu erfahren. Das Ziel ist es dein Schatten zu integrieren in deinem Bewusstsein und es als Potenzial von dir selbst anzuerkennen. Das bedeutet nicht, das du z. B. deine verdrängten Aggressionen von nun an vollkommen auf deine Umwelt loslässt und so Menschen schadest, sondern, das du es als Potenzial in dir selbst erkennst und dann mit Verantwortung über es richtest und es diesmal nicht verdrängst. Du könntest es somit schaffen, mal wieder nicht dein Mund geschlossen zu halten, sondern dein Mund aufzumachen, um für dich selber zu kämpfen. Das nennt man dann Schattenverantwortung oder auch Eigenverantwortung, die aus dem Schatten erwächst. In diesem Prozess ist es auch ganz wichtig, sich nicht vollkommen verschattet zu sehen. Natürlich hast du deine Schattenaspekte, wie jeder andere, aber du hast auch deine Zeiten gehabt, in denen du unverschattet warst und unberührt vom Schatten. Das und Empathie dir gegenüber selbst führt dich auf einen neuen Weg.

Ganzheit

Letztendlich geht es um das Verständnis, das Leben aus Hell und Dunkel besteht, aus „guten“, wie aus „schlechten“. Dass du genauso Dämonen und Monster in dir zu stecken hast, die „böses“ anrichten können und auch Engel und Heilige, die „gutes“ anrichten können. (Gut und Böse ist immer unterschiedlich subjektiv definiert und bewertet) dann wird nicht nur deine Persönlichkeit zur Ganzheit geführt, sondern, dann kann auch die Umwelt und das Leben an sich, mit all seinen Facetten mit mehr Toleranz, Verständnis und Empathie begegnet und erfahren werden.

Und wie immer, falls dir dieser Artikel geholfen hat, dann teile ihn!

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